Inhalt

Chronik

Die 100 Jährige Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Timmendorfer Strand

Ein Strohfeuer mit Großer Wirkung

Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Timmendorfer Strand beginnt mit einem Strohfeuer. Spielende Kinder hatten es im August 1906 in Klein Timmendorf vor der Derbergschen Kate angezündet. Und wie so oft hatte eine kleine Ursache eine ungeheure Wirkung. Nicht nur dieses ging in Flammen auf, sondern auch gleich noch die Nachbarhöfe von Ferdinand Muus und Otto Kasch brannten bis auf die Grundmauern nieder. Für den damaligen Gemeindevorsteher W. Schunk war damit klar: Eine freiwillige Feuerwehr muss her. Und tatsächlich fanden sich 27 beherzte Männer unter der Führung der Baumeisters Fritz Völkers, die künftig die Verantwortung übernehmen wollten für das Wohl ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Ausstattung auf Pump - Doch zunächst einmal musste ein vernünftige Ausstattung her.

Am 13 März 1907 beschloss die ,, Generalversammlung der Freiwilligen Feuerwehr“ einstimmig beim „Pansdorfer Credit – Verein“ einen Kredit in Höhe von 500 Mark aufzunehmen. Für den großen Idealismus und die Opferbereitschaft der Gründerväter der Wehr spricht, das jeder von ihnen bereit war, bis zur Abzahlung für den Kredit zu haften. So konnte stolz verkündet werden: Helme und Koppel werden auf der folgenden Sitzung „Verpasst“.

Das erste Handwerkszeug

Bemerkenswert auch die technische Ausstattung der jungen Wehr: eine Handdruckspritze, 50 bis 100 m Schlauchleitungen, Leitern, Beile, Signalhörner und Uniformen. Eine für damalige Zeiten hochmoderne Ausstattung., die effiziente Einsätze garantierte. Die Folge: Die Freiwillige Feuerwehr expandierte. Wasserleitungen am Strand und er Bau von Hydranten verbesserten den Feuerschutz ganz enorm und machten die Gründung einer weiteren Löschgruppe erforderlich. Und zum 25-jährigen Bestehen 1931 hatte die Freiwillige Feuerwehr Timmendorfer Strand immerhin 35 Mitglieder.

Harte Zeiten

Mit dem 3. Reich änderte sich auch im Bereich Brandbekämpfung einiges. Die Wehr in ihrem bisherigen Gefüge fiel auseinander, an ihre Stelle trat eine „Pflichtfeuerwehr“ der damals zuständigen Gemeinde Ratekau. Als im zweiten Weltkrieg die Männer anderweitig beschäftigt waren, wurde in Klein Timmendorf sogar eine Löschgruppe von Frauen unter der Leitung des damaligen Wehrführers Kindereit aufgestellt.

Neue Wege neue Aufgaben

Nach dem Zusammenbruch 1945 galt es auch für die Freiwillige Feuerwehr, einen neuen Anfang zu machen. Und wieder fanden sich freiwillige für eine neue Löschgruppe, die sich mit Motorpumpe und Schlauchmaterial den gewachsenen Aufgaben stellte. Die vielen, vielen Heimatvertriebenen mussten untergebracht werden – viele Häuser waren überbelegt, und die zahlreichen behelfsmäßigen Feuerstellen waren der Grund dafür, dass Zimmer- und Dachstuhlbrände beinahe täglich vorkamen. Doch so nach und nach normalisierten sich die Verhältnisse.

Ein neues Zuhause

Ein ganz besonderes Geschenk gab es für die Freiwillige Feuerwehr Timmendorfer Strand zum 50-jährigen Bestehen 1956 – ein neues „Zuhause“. Das neue Gerätehaus in der Poststrasse wurde bezogen. Nicht nur im Hinblick auf die Unterbringung der Ausrüstung war dies ein Fortschritt, auch der Geselligkeit diente das neue Gebäude, denn nun mussten Versammlungen nicht mehr in Hotels oder Gaststätten abgehalten werden.

Fahnenweihe

Das nächste große Ereignis für die Kameraden kam 15 Jahre später. Im August 1971 – zum 65-jährigen Bestehen – konnte die Fahnenweihe feierlich begangen werden. Mit dabei viel Prominenz und Politik, Kommune und feuerwehr. Schaulustige erlebten einen prächtigen Umzug durch den Ort, an dem neben befreundeten Feuerwehren auch heimische Verbände mit Fahnenabordnungen teilnahmen. Der rundum gelungene Tag endete mit einem Feuerwehrball im großen Saal der Maritim Kongresshauses. „ Das war ein Sternstundetag“ titelte die Presse später.

Es wächst zusammen...

Im Juni des Jahres 1972 hörte der Ortsteil Klein Timmendorf auf zu existieren. Er wurde aufgrund eines Beschlusses der Gemeindevertretung in den Bereich Timmendorfer Strand einbezogen. Logische Konsequenz: Auch die beiden Feuerwehren der Ortsteile wuchsen zusammen. Die Fusion führte zu einer starken Feuerwehr mit 47 Mitgliedern und 7 Anwärtern, die in drei Zügen zusammengefasst waren. Eine Schlagkräftige Truppe, die von Heinz- Georg Boock (Timmendorfer Strand) geführt wurde. Sein Stellvertreter wurde Paul Hagelstein (Klein Timmendorf). Das damalige Gerätehaus in Klein Timmendorf wurde als „Wache Wohrbarg“ in der Teichstrasse pünktlich zum Zusammenschluss bezogen. Damit sollten die Kameraden aus diesem Ehemaligen Ortsteil ihre „Sammelstelle“ behalten. Es wurde zunächst das Löschfahrzeug aus Klein Timmendorf dort untergestellt und später die Drehleiter DL 30. Die Wehr Timmendorfer Strand führte im Monatswechsel ihre Dienstabende jeweils in den Wachen Poststrasse und Wohrbarg durch.

75 Jahre wie die Zeit vergeht

Und wieder ein Jubiläum: Im Juni 1981 feierte die Freiwillige Feuerwehr Timmendorfer Strand drei Tage lang. Auf dem Programm stand das 75-jährige Jubiläum, das mit Geräteschauen, buntem Abend, Jubiläumsball, Platzkonzert und großem Zapfenstreich stilvoll begangen wurde.

Und wieder ein neues Zuhause

Veränderte Bedingungen und der zunehmende Verkehr im Ort hatten Folgen auch für die Feuerwehr. Das Gerätehaus in der Poststrasse wurde zu klein und war außerdem nicht optimal gelegen, um im Einsatzfall schnell reagieren zu können. Ebenso wirkte sich die Trennung der beiden Gerätehausstandorte in der Poststrasse und am Wohrbarg einsatztaktisch nicht immer zum Besten aus. Ab August 1981 hatte man deshalb über ein neues Gerätehaus nachgedacht. Der damalige Bürgermeister Karl- Heinz Langreen schlug als Standort das ehemalige ZVO- Gelände an der B76 vor. Ein idealer Standort, der später mit dem Sitz der Malteser Rettungswache kombiniert werden konnte. Nach neusten Richtlinien wurde gebaut, und schon am 12 Februar 1983 konnte das neue Timmendorfer Feuerwehrhaus eingeweiht werden.

Frauenpower

Für die Gründerväter der Wehr wäre schon der Gedanke unvorstellbar gewesen: Frauen in der Feuerwehr. Doch im angehenden 20. Jahrhundert hatten sich die Sichtweisen längst geändert. 1992 wurde Evelyn Westphal die erste Timmendorfer Feuerwehrfrau. Mitte der 90er Jahre waren Zeitgleich gar vier Frauen in den Reihen der Wehr, die größtenteils durch eigene familiäre Veränderungen nicht mehr aktiv tätig sein konnten. Heute gehören der Wehr leider wieder keine Damen an, doch Nachwuchs- beiderlei Geschlechts- ist jederzeit herzlich willkommen.

Ein neues Jahrtausend

Besondere Vorbereitungen galt es zu treffen, als das alte Jahrtausend endete. In Timmendorfer Strand gab es zu diesem Anlass einen Umzug durch den Ort- natürlich begleitet von der Freiwilligen Feuerwehr. Um im Notfall schnell eingreifen zu können, wurde in der Feuerwache der Gemeinde eine Gruppe stationiert, doch dann wurde es zum Glück eine sehr ruhige Sylvesternacht 1999/2000. Die eingeteilten Feuerwehrleute konnten den Abend mit ihren Frauen, die ebenfalls an der wache waren, so richtig genießen.